Die 21. FFA Jahresveranstaltung fand statt am 27. – 28. März 2004, Neues Rathaus, Niederwall 23, Bielefeld
Samstag 27.03.2004
80 Meter Fotos – großer Andrang zum FFA-Symposium
Das 21. Fachsymposium der Fördergemeinschaft Fotografische Ausbildung e.V. (FFA) wartete mit zahlreichen Neuerungen auf - und wurde zum großen Erfolg. In diesem Jahr erstmalig an zwei Tagen boten die Mitglieder der FFA und das Kulturamt Bielefeld Fotografen aller Qualifikationen und Disziplinen ein bundesweit beachtetes Forum. Der erste Veranstaltungstag war als Kommunikationsmarkt bei freiem Eintritt angelegt, der mehr als 200 Besucher nach Bielefeld lockte.

Mehr als 40 Profis, Studenten und Azubis aus ganz Deutschland präsentierten ihre Arbeiten an der "Wäscheleine", die als freie Galerie im Foyer des Bielefelder Rathauses gespannt wurde. Dabei wurden unterschiedlichste Bilder gezeigt. Die Spannweite ging von international bekannten Fotos aus der Werbekampagne eines Zigarettenherstellers über die Präsentation von Semesterarbeiten bis zu sensiblen Portraits und künstlerischen Architektur-Aufnahmen. Der Standard der gezeigten Bilder wurde allgemein hoch geschätzt.

Es wurde reger Gebrauch davon gemacht die eigene Mappe mit kompetenten Kollegen und interessierten Zuschauern zu diskutieren.

Besonders erfreulich verlief die in der Fotobranche bisher unbekannte und erstmalig von der FFA öffentlich veranstaltete "Assi-Börse". Erwartungsgemäß viele Gesuche von Nachwuchsfotografen wurden abgegeben aber überraschenderweise konnten schon während der Veranstaltung drei Assistenten an Profis vermittelt werden. Die große Nachfrage nach dieser Art der Vermittlung wird auf der nächsten Veranstaltung weitergeführt und auch auf dieser Internetseite der FFA fortgesetzt.
Der erste Tag der Veranstaltung wurde mit der FFA-Mitgliederversammlung beendet. Die Wiederholung des Samstags mit Wäscheleine, Assibörse und Technik Präsentation wurde einstimmig beschloßen. Dank der Beteiligung von zwei jungen Ausstellern der Wäscheleine sowie drei der Referenten ergab sich ein interessantes neues Thema für 2005 mit dem bisheriger Arbeitstitel: Vision und/oder Wirklichkeit.
An beiden Veranstaltungen wurden an zehn Messeständen Leistungen aus Industrie, Handel und Dienstleistung präsentiert. Die Aussteller nutzten als Sponsoren des Symposiums den Kontakt zu einer großen Zahl Fotografen. Die Ausstellung technischer Neuheiten der Fotoindustrie war an beiden Tagen ein stets umlagertes Publikumsmagnet. Neben dem örtlichen Fachhandel, vertreten von Foto-Birwe und Foto-Treffpunkt, die technische Neuheiten von Nikon, Olympus, Epson, Leica und Tetenal zeigten, präsentierten sich auch Hasselblad, Sinar und Phase One sowie die Multimedia Akademie Symmedia, Kellner & Schick als Anbieter von Fotofachliteratur und das bekannte Bielefelder Fachlabor Delta Color.

Samstag 28.03.2004
Rund 300 Besucher fanden den Weg ins Bielefelder Rathaus am Sonntag. Der zweite Veranstaltungstag gehörte ganz dem 21. FFA-Symposium mit dem Thema:
Die FFA hatte wieder namhafte Kollegen nach Bielefeld eingeladen, die zu sehr unterschiedlichen Arbeitsgebieten referierten.

Jürgen Volkmann, Vorstand FFA Begrüßung
Prof. Klaus Honnef, Einführung in das Thema
Jo van den Berg, Hamburg, www.jovandenberg.com
Fashion/ Beauty, Food Stills
Peter Knaup, Paris, www.kuenstlerdb.webart.de
Stills
Peter Bitzer, Köln, www.laif.de
Geschäftsführer der Agentur Laif
Marc Trautmann, Frankfurt /M und London, www.marctrautmann.com
Fashion/Beauty,People, Transportation
Andrej Barov, München, www.barov.de
Künstler
Axel Hoedt, London, www.klosslondon.com
Fashion/Beauty
Perry Kretz, Hamburg, www.stern.de
Fotoreporter Stern

Die Referenten von links nach rechts: Peter Knaup, Axel Hoedt, Prof. Klaus Honneff, Perry Kretz, Peter Bitzer, Jo van den Berg, Andrej Barov, Marc Trautmann.

Zusammenfassung der Vorträge
Nach der Begrüßung durch FFA-Vorstand Jürgen Volkmann begann Prof. Klaus Honnef, Bonn, mit der Einführung ins Thema. Zeitgleich mit der Erfindung der Fotografie haben nahezu alle berühmten Lichtbildner eine erstaunliche Mobilität bewiesen. Angefangen Mitte des 19. Jahrhunderts, als Fotografen mitunter tonnenweise Material über Kontinente hinweg transportieren mussten und mit allen Widrigkeiten des Reisens zu kämpfen hatten, spannte er den Bogen bis ins Zeitalter der Globalisierung. Als Vorteil erweist sich für Emigranten oft der "fremde Blick" auf ihre neue Heimat und die mitgebrachte "andere", meist europäische Bildsprache.
Der deutsche Fotograf Peter Knaup ging 1982 nach Paris, wo er seitdem für führende Magazine und die wichtigsten Werbeagenturen fotografiert. Er wies mit trockenem Humor darauf hin, dass sich eine Tätigkeit im Ausland auch deshalb lohne, weil deutsche Kunden gerne zu schönen Orten reisten, aber dort auch ihre eigene Sprache sprechen möchten.
Jo van den Berg stammt aus Brüssel, arbeitet und lebt in Hamburg. Er hat sich in seiner Arbeit nicht spezialisiert. Er arbeitet sowohl für Mode- als auch Foodproduktionen, daneben fotografiert er People und Reportagen. Heute gehören auch Filmproduktionen zu seinen Aufgaben. Er wies mit Blick auf seinen internationalen Werdegang, er studierte in Belgien und assistierte lange Jahre in Brüssel, London und Amsterdam, auf die besondere Notwendigkeit geistiger Mobilität hin. Kein Job sei wie der andere, kein Ort gleiche dem vorherigen, jede Zeit habe ihre Moden; all das fordere vom Fotografen ein hohes Maß von Auffassungsgabe, Flexibilität und Agilität.
Der geschäftsführende Gesellschafter der "Laif – Agentur für Fotos und Reportagen GmbH" in Köln, Peter Bitzer, zeigte in seiner Präsentation die Arbeiten von drei Berufsfotografen aus Deutschland, die zumindest eines gemeinsam haben: Sie waren alle "auf der Walz" und haben praktische Erfahrungen auf zahlreichen Auslandsaufenthalten gesammelt. Besonders im Blick standen die jeweiligen Standortvorteile auch und gerade im Hinblick auf die Arbeit für deutsche Magazine.
"Haben Sie eine Praktikantenstelle zu vergeben?" wurde
Andrej Barov, bildender Künstler, geboren in St. Petersburg, wanderte 1989 nach Deutschland aus. Er zeigte höchst interessante Arbeiten, die komplett digital am Computer entstanden. Die Nutzung der mathematisch errechneten Bilder erlaubten es Fotografen, nahezu unabhängig von Zeit und Ort ihre virtuellen Bild-Visionen in die Tat umzusetzen. " Jedes Bild ist Digital" lautete seine provokante These, da alle Bilder vor dem Druck digitalisiert würden.
Ein Bielefelder Student hat es geschafft sich in London als Fotograf durchzusetzen! Der aus Freiburg stammende Axel Hoedt studierte an der Fachhochschule Bielefeld bei den Professoren Holzhäuser und Jäger. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als freier Fotograf in Hamburg. Seit 1998 lebt und arbeitet Axel Hoedt in London. Im Gegensatz zu seinem Vorredner fotografiert der Newcomer nahezu komplett analog und Schwarz -Weiß.
Ein besonderes eindrucksvoller Abschluß war der Vortrag des langjährigen "Stern" Fotoreporters Perry Kretz, der über 40 Jahre Berufserfahrung verfügt und im Alter von 70 Jahren noch als Bildjournalist Afghanistan besucht. Schon mit 17 Jahren ging er in die USA, wo er dann 18 Jahre blieb. Er studierte in New York Fotojournalismus, wurde in die US-Army eingezogen und als GI nach Korea geschickt. In Amerika zurück, wurde Perry. Kretz amerikanischer Staatsbürger, arbeitete für die "New York Post" und wurde Korrespondent für "Keystone N.A.". Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er Fotoreporter für das Magazin "Stern", arbeitete hauptsächlich im Ausland, berichtete über den Vietnam-Krieg, den 1. Irak-Krieg und zahlreiche Bürger-, Banden- und Drogenkriege in Mittelamerika und Afrika. Im letzten Jahr war Kretz als "Embeded" Fotoreporter 3 Monate im 2. Irak-Krieg. Für seine Reportagen erhielt Perry Kretz mehrmals den "World Press Photo Award". "Es war das einzig richtige für mich, ins Ausland zu gehen," sagte er während seines Vortrages und empfahl dies auch allen Nachwuchs-Fotografen. Unabhängig ob sie sich als Kriegsbericht-erstatter, Portrait- oder Modefotograf spezialisieren wollten: Ein Auslandsaufenthalt schult Auge und Verstand. Angesprochen auf seine eigenen Fotos vom Krieg bemerkte Perry Kretz: "Ein Foto kann keinen Krieg beenden, aber es kann die Menschen mobilisieren, dagegen zu protestieren."
Mit langanhaltendem Beifall wurde Perry Kretz verabschiedet und der zweite Veranstaltungstag beendet. Rundum zufrieden mit dem Verlauf des Events zeigten sich dann auch die Verantwortlichen vom Kulturamt und Verein. Getragen vom guten Verlauf des diesjährigen Symposiums haben der größte Teil der Aussteller und Sponsoren wiederum ihre Teilnahme avisiert.