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26. Fotosymposium der Fördergemeinschaft Fotografische Ausbildung
17. - 18. April 2010

Titel: 99 Cent / 60 MioPix

Das war es erst mal wieder für dieses Jahr. Veranstalter und Besucher sind zufrieden, die Teilnehmer der "Wäscheleine" auch. Hier eine erste textliche Zusammenfassung, Fotos folgen.

Bielefeld. 99 Cent – 60 Millionen Pixel - das durchaus provokativ gemeinte Thema des diesjährigen Symposiums der FFA (Fördergemeinschaft fotografische Ausbildung e.V.) versprach eine große Bandbreite und kontroverse Diskurse. In einer heute fast unübersichtlichen fotografischen Welt zwischen günstiger Massenware, hochtechnisierten Produktionen und künstlerischem Anspruch sollte die Fachtagung nicht nur dem fotografischen Nachwuchs Orientierung bieten. Mit Vorträgen renommierter Foto-Profis, einer umfangreichen Fachausstellung mit Anbietern aus Industrie, Fachhandel und Dienstleistung und – schon Kult - mit der Freien Galerie „Wäscheleine“.

Ein unterhaltsamer Auftakt der Fachvorträge am Sonntag war der launige Beitrag von Hans Zippert. Der ehemalige Chefradakteur der „Titanic“, bekannt auch durch die „Welt“-Kolumne „Zippert Zappt“, brachte mit satirischem Wortwitz ganz neue „wissenschaftliche“ Erkenntnisse über Tattoos, Friedhofs-Gießkannen und die Entstehung der Deutschen. Mit einer humorvollen Bilder-Show und diversen Seitenhieben auf typische deutsche Eigenarten belegte Zippert, warum es weniger Uhus als Deutsche gibt – und noch weniger Fotografen.

Die nahe liegende Frage, was im Zuge der Computer-generierten Bilderstellung aus der klassischen Fotografie wird, warfen die beiden nächsten Vorträge auf. Stephanie Fehlbier von Mohn Media stellte die Vorteile der Visualisierung über CGI (Computer generated Images) im Möbelbereich vor. Dass es kostensparender ist, statt eines kompletten Küchenaufbaus für ein Foto-Shooting die Bilder aus den vorliegenden Baudaten im Computer zu erstellen, leuchtete ein. Ebenso weitere Vorteile, wie die hohe Detailschärfe, die große Flexibilität bei der Inszenierung oder die einfachen und kostengünstigen Variationsmöglichkeiten. Stephanie Fehlbier räumte allerdings ein, dass nicht alle Produktionsabläufe tatsächlich kostensparender im Vergleich zum klassischen Shooting sind. Und bei der Betrachtung der doch recht steril wirkenden Küchendarstellungen stellte sich zudem die Frage, ob ein Computerspezialist das routinierte Auge eines Fotografen ersetzen kann. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die Studenten des ersten Studienmoduls für CGI gerade mal ganze sechs Wochen Fotoausbildung genießen. Der Begründer dieses Studienschwerpunktes an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg, Professor Michael Jostmeier, veranschaulichte am Beispiel Auto, wie Computer-generierte Bilderstellung funktioniert. Mit vielen informativen „Making of“ - Darstellungen und Bildbeispielen zeigte Jostmeier die einzelnen Produktionsschritte und erläuterte, wie man das virtuell erstellte Automodell in die klassisch fotografierte Umgebung einfügt. Oder, wie man Effekte, etwa Lichtreflexe auf dem Autolack, möglichst fotorealistisch erstellt. Ein spannendes und zukunftsträchtiges Arbeitsfeld, dass aber auf klassische Fotografen sicherlich nicht verzichten kann.

Einen stimmungsvollen Einblick in seine Abeitswelt zeigte der erfolgreiche Hamburger Fotograf Olaf Tamm. Ob Stillleben, Reportage oder Werbung – seine Fotografien sind durch die Bank ästhetisch und zeigen eine ganz persönliche Handschrift: Ungewöhnliche Perspektiven, die harmonische Verbindung von Produkt und Mensch und die Devise „Was man im Foto gut macht, braucht man hinterher nicht mehr an zu fassen“. Tamm brachte allerdings auch zur Sprache, dass die Arbeitsmöglichkeiten für freie Fotografen immer eingeschränkter werden. Eine ganz andere Arbeitsmöglichkeit präsentierte der Wiener Werbefotograf Franz Pfluegl. Der erfolgreiche Stock-Profi lebt neben der Auftragsfotografie vom Verkauf lizenzfreier Fotos, die Kunden über Internet-Agenturen einfach und preisgünstig erstehen können. Der Vorteil für den Fotografen: eingängige, emotionale und universell verwendbare Fotos lassen sich vielfach und weltweit verkaufen. Der Vortrag warf erwartungsgemäß die Kritik auf, dass die Stock-Fotografie mit ihren Massenprodukten die Preise und das Niveau drückt - und der anspruchsvollen Auftragsfotografie starke Konkurrenz macht. Für den Designer Frank Rocholl, Herausgeber Lifestyle-Magazins „Mirage“ ist das offensichtlich kein Problem. Das an den 1960er und 1979er Jahren orientierte Retro-Fashion-Magazin, in dem Rocholl seine Stories wie Kunstfilme inszeniert, ist ausgesprochen erfolgreich. Namhafte Fotografen sprechen bei ihm vor, um für das Magazin zu arbeiten – als Honorar winkt nur die Eigen-PR. Für den ambitionierten Nachwuchs ist das sicherlich ein attraktives, aber wohl nur schwer erreichbares Arbeitsfeld.

Ambition und Talent zeigten die jungen Fotografinnen und Fotografen, die Ihre Werke an der „Wäscheleine“ präsentierten. Auch hier war die Bandbreite technisch und inhaltlich groß: Vom Einsatz einer einfachen Lochkamera bis zur raffinierten Kollage, von ästhetischen Mode- und Beauty-Produktionen bis zu kritischen Reportagen. Die beteiligten Studenten und Auszubildenden waren aus Bielefeld, Düsseldorf, Essen, Hannover, Paderborn und sogar aus Würzburg angereist. Die weite Fahrt wurde belohnt, das Werk „Teeserie“ von Natalia Luzenko erhielt den 2. Preis der Jury: einen Gutschein über 300 Euro für Blitzgeräte und Zubehör der Firma Hensel. Den 3. Preis, Pixtacy Software und ein Abonnement der Foto TV, vergab die Jury an Svenja Blasberg aus Düsseldorf für ihre wirkungsvoll beleuchteten „Spielplätze bei Nacht“. Einen Sonderpreis gab es für die berührenden Kinderfotos von Jessica Krause, Auszubildende im 1. Lehrjahr. Obwohl die Jury in diesem Jahr geheim abstimmte, um das Publikum bei seiner Wahl nicht zu beeinflussen, waren sich Juroren und Besucher einig. Publikumspreis sowie der erste Preis der Jury – eine Canon Eos 550D - gingen an Tobias Freye von der FH Bielefeld. Sein Werk „Trophäensammlung“ überzeugte durch die ebenso einfache wie geniale Idee, den Begriff „Foto-Shooting“ wörtlich umzusetzen. Jäger fotografieren sich quasi selbst - mit einem Schuss in einen lichtdichten Karton, der dadurch zur „Camera Oscura“ wird. Eine weitere Auszeichnung für alle Preisträger: Ihre Fotos werden in „Photopresse“ und Profifoto“ veröffentlicht. Alle Arbeiten der Wäscheleine, die Punkte erhielten, werden auf der FFA-Webseite (www.ffa-ev.de) präsentiert.

Hochkarätig, vielseitig und spannend war das diesjährige Symposium der FFA. Veranstalter, Aussteller und Gäste waren zufrieden – trotz des unverschämt guten Wetters waren zahlreiche Besucher gekommen. Die auch beim abendlichen „Get Together“ immer wieder aufkommende Diskussion, wohin High End Technik und Massenproduktionen die klassische Fotografie führen, endete letztendlich doch einen optimistischen Blick in die Zukunft. Und auf ein sicherlich wieder interessantes nächstes Symposium.

Samstag 17.04.10 / 12 bis 18 Uhr

Neues Rathaus, Eingangsbereich und Foyer des Ratsaales / Eintritt frei

Der als Kommunikationsmarkt bekannte Teil des Symposiums bietet wieder die freie Galerie Wäscheleine und präsentiert damit 5o Meter unzensierte junge Fotografie.
Die gezeigten Arbeiten nehmen gleichzeitig am Wettbewerb " Best of Wäscheleine" teil, der mit Sachpreisen und interessanten Veröffentlichungen in Fachzeitschriften belohnt wird.
Die Vergabe der jeweils 2 Meter Wäscheleine für den Nachwuchs aus Handwerk und Studium erfolgt nach Eingang der Anmeldung (nicht zu lange warten - Erfahrungsgemäß sehr begehrt - infos über noch freien Platz in der Rubrik Wäscheleine

Teilnahmebedingungen unter: wäscheleine-2010

Ein weiterer wichtiger Punkt des Tages ist die schon legendäre offene Bildbesprechung an der Wäscheleine.

Neu sind die angebotenen Mappensichtungen durch die anwesenden Referenten, die einen Eindruck über den Stand der persönlichen Entwicklung verschaffen. Am Samstag stehen dafür nach Anmeldung per Email
folgende Personen zur Verfügung :

Prof. Axel Grünewald / Fotodesign
Prof. Michael Jostmeier / CGI
Franz Pflugl / Stockfotografie
Olaf Tamm / Editorial + Werbung
Frank Rocholl / Mode, Beauty, Fashion

Der begleitende Fachmarkt bietet Kontakt zur Fotoindustrie und Gelegenheit zu technischen Fachgesprächen und zum Besuch technischer Fachvorträge. mehr...

Ab 19 Uhr organisiert der FFA ein lockeres "Get Together" in einem nahegelegen Lokal. Hier wird der klassischen Bedeutung von Symposium
- miteinander trinken und miteinander reden - Raum gegeben und Kontakte ermöglicht.


Sonntag 18.04.10 / 10 bis 18 Uhr

Ratsaal im Neuen Rathaus / Eintritt 8 € / erm. 4 € / FFA Mitglieder frei / Der Fachmarkt ist kostenlos zu besuchen.

Den Kern des Symposiums bilden wieder Fachvorträge namhafter Fotografen aus dem In- und Ausland zum Thema: 99 Cent / 60 MioPix

Mit seiner Forderung für ein: " uneingeschränktes, absolutes, weltweites und unwiderrufliches Fotografierverbot vor, in und hinter Sehenswürdigkeiten" wurde Hans Zippert von der FFA als genau der richtige Mann geortet um ins Thema einzuführen.
Hans Zippert, Von 1990 -95 Chefredakteur der Satirezeitschrift „Titanic“, freier Mitarbeiter bei FAZ, HörZu, Cicero, Geo Saison, schreibt seit 1999 in der „Welt“ die tägliche Kolumne „Zippert Zappt“.

Stephanie Fehlbier von Mohn Media Prepress zeigt uns konkrete Beispiele von CGI (Computer generated Images) im Alltag des Industriedesigns an Beispielen von Schüco, Alulux und diversen Küchenherstellern.

Weiterhin für den Bereich CGI ist es uns gelungen Prof. Frank Jostmeier als Referent zu gewinnen.
Prof. Jostmeier hat in der Fakultät Design der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg das erste Studienmodul für CGI eingerichtet und damit weltweit eine führende Position erreicht. Er gibt uns einen Einblick in das, was möglich ist, was möglich wird und wie man dort hinkommt. Hier ein kurzes Statement von Prof. Michael Jostmeier
"Endlich werden die von Ihnen beschriebenen Fragen im einem größeren Forum und aus der Perspektive der Fotografie thematisiert. Desinteresse, Verdrängung und technisches Unverständnis haben eine solche Diskussion bisher wohl verhindert. Nach meiner Meinung geht es nicht um ein "entweder oder" sondern "sowohl als auch". Wir bekommen einen Blick auf die Zukunft des Bildes. Im folgenden eine Arbeit seiner Studenten.

CGI Image


Die perfekte, glatte Bildwelt der "Schönen und Reichen" vertritt Frank Rocholl, Herausgeber des lifestyle Jetset Magazins "Mirage", und deckt damit ein,nach wie vor, ersehntes Arbeitsfeld für angehende Fotografen und Fotodesigner ab.

Ein weiterer Referent ist Olaf Tamm, der als freier Fotograf in Hamburg lebt. Als „Wanderer zwischen den Welten“, bearbeitet er Themen von Editorial bis Werbung, liebt und lebt den Wechsel zwischen Studio und Reportage.

tamm


Mit dem Wiener Fotograf Franz Pfluegl kommt ein Werbefotograf der als einer der erfogreichsten Stockfotografen u.a. für die Microstock-Bildagentur Fotolia arbeitet, getreu nach deren Motto "Bilder für alle. Fotolia allein vermarktet über 8 Millionen Bilder zu Stückpreisen ab 14 Cent. Das Beispielbild wurde dort bisher 1600 mal heruntergeladen. Fotolia Portfolio Pfluegl



Mit einigen anderen Referenten sind wir noch im Gespräch. Daniel Josefsohn hat leider abgesagt, aber der New Yorker Fotokünstler Peter Funch ist interessiert. Lassen Sie sich überraschen, es wird wieder spannend.
Holen Sie sich Ihre kreativen Anregungen durch direktes Erleben.
Virtuelle Information ist dagegen kalter Kaffe

Um 17 Uhr werden die Sieger des "Best of Wäscheleine" Wettbewerbs, gewählt von der Jury und der Publikumspreis vergeben. Die Preise werden von unseren netten Sponsoren vergeben, wir informieren demnächst darüber was. Aber nicht nur auf die Preise schielen, Dabeisein ist alles -und - Veröffentlichungen locken.

Die Veranstaltung wird unterstützt vom Kulturamt der Stadt Bielefeld



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